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Weltreiseorganisation

mit Teenager & Kind

6 Monate Auszeit – Gut geplant

Wir sind von August 2014 bis Mitte Februar 2015 mit 2 Kindern, heute 6 und 15 Jahre, einmal um die Welt gereist. Für uns war es die Erkenntnis, dass wir gerade jetzt, zwischen 40 und 50, durch das Leben rennen wie „’ne Lok auf zwei Beinen“ und dabei die schöne Zeit mit den Kindern nicht mehr richtig wahrnehmen. Unsere Tochter war 14 und sozusagen „auf dem Absprung“ in eine Zeit, in der andere Themen die Präsenz der Eltern verdrängen (und das ist auch gut so). Sie war trotzdem begeistert von der Idee, die Welt kennenzulernen und sich für eine Weile von den Freundinnen und vielen Bequemlichkeiten des Alltags zu verabschieden. Tatsächlich hat sie aber erst spät realisiert, dass wir „wirklich“ Ernst machen. Unsere Reiseerfahrungen:

Der Wunsch nach Veränderung wirft am Anfang viele Fragen auf, die wir nicht so einfach beantworten konnten: Wie kann man seine Kinder von der Schule freistellen lassen? Was passiert mit dem eigenen Job? Wie kommt man mit weniger als gewohnt aus? Wie lebt es sich mit einer 15-jährigen und einem 6-jährigen auf engstem Raum ohne Rückzugsmöglichkeit? Reicht das Geld? Wie reagiert die Umwelt auf das Vorhaben? Welche Risiken sind wir bereit einzugehen? Heute, nachdem wir wieder glücklich und wohlbehalten zu Hause sind, haben wir die Antworten – aber es fiel uns anfangs nicht leicht, mit so viel Ungewissheit aufzubrechen. Wenn wir die Fotos und den Reiseblog ansehen, denken wir oft wehmütig zurück an fremde Länder, seine Menschen und die Weite der Pampa. Trotzdem geht der Wiedereinstieg ins alte Leben genauso schnell vonstatten, wie der Ausstieg. Vieles bleibt, neue Freundschaften, die Erkenntnis, wie wundervoll die Erde ist und das Wissen über ihre Zerbrechlichkeit und die Erkenntnis, dass man seine Träume und Ziele nicht dauerhaft aufs Abstellgleis schieben sollte.

Reisevorbereitung und Routenauswahl

Am Anfang war die Zeit miteinander das Wichtigste und wir hatten ca. 1 Jahr vor Abreise diskutiert, wie wir diese Zeit am liebsten nutzen wollten. Eine Weltreise kam erst einmal überhaupt nicht in Frage, lieber wollten wir einfach eine Zeit im Ausland leben. Ich wollte nach Südamerika, Jan wollte nach Neuseeland. Die Kinder sollten zumindest für einen Teil der Zeit die Schule besuchen, um Schwierigkeiten bei einer eventuellen Schulfreistellung zu vermeiden. Schließlich fing ich an zu recherchieren und lernte schnell, dass man für jeden Aufenthalt, der über 3 Monate hinausgeht, zusätzliche Visa für 4 Personen benötigt. Je nach Reiseland keine billige Angelegenheit. Gleichzeitig bin ich im Internet auf die Hamburger Reiseagentur „REISS AUS!“ aufmerksam geworden, habe mich beraten lassen und festgestellt, dass es eine Vielzahl von preisgünstigen „Around-The-World“ Tickets gibt. Was, wenn wir in keinem Land länger als 3 Monate blieben, allerdings mit Schwerpunkt auf unsere Wunschländer? Die nächste Frage: wie lange wohin? – wollten wir mit einem Blick auf die Klimadiagramme der jeweiligen Länder klären. In der Regel passt das nie ganz optimal, aber zumindest annähernd.

Jetzt galt es wichtige Eckpunkte bzw. Lieblingsländer festzulegen, nach denen man das Flugticket auswählt. Wir wollten unbedingt nach Südamerika und runter bis Feuerland, so dass wir im Südsommer dort ankommen. Außerdem wollten wir mindestens 6 Wochen in Neuseeland verbringen und zum Zeitpunkt der Buckelwalaufzucht in Tonga sein. Unbedingt zu vermeiden waren tropische Wirbelstürme in der Südsee und zusätzliche Impfungen oder Malariaprophylaxe (für Kinder sehr unangenehm!). Damit unsere Tochter nach den Faschingsferien wieder nahtlos in der Schule einsteigen kann, war nach vielen Überlegungen ein perfekter Zeitrahmen von etwas mehr als 6 Monaten, von den deutschen Sommerferien im August 2014 bis zu den Faschingsferien 2015, festgelegt. Wir starteten in Richtung Osten nach Thailand, ein gutes Ziel für Reise-Einsteiger wie uns. Dann ging es für 4 Wochen weiter nach Sydney und an die Ostküste von Australien, wo wir die Strecke vom tropischen Cairns zurück nach Sydney in nur 3 Wochen zurücklegten. Von Sydney aus sind wir erst einmal nach Auckland geflogen und dann gleich am nächsten Tag weiter nach Tonga, wo wir Anfang Oktober 2 Wochen verbracht haben. Neuseeland wollten wir im Süd-Frühsommer ansteuern, bevor das Land von Wohnmobilfetischisten überrannt wird. Schlussendlich haben wir den Süd-Sommer mit unserer Ankunft in Santiago de Chile, Anfang Dezember, eingeholt. In Australien mussten wir einen Inlandsflug von Sydney nach Cairns dazu buchen. In Südamerika fuhren wir von Santiago viele tausend Kilometer bis nach Punta Arenas/Feuerland und wieder zurück nach Puerto Montt (Chile), von wo aus wir nach Buenos Aires geflogen sind. In 8 Wochen war das gut machbar, sofern man ein geländegängiges Fahrzeug und ausreichend Hörbücher dabei hat. Der Abstecher nach Tonga und der Vulkaninsel Eua (eine der 170 zum Königreich Tonga gehörenden Inseln) kostete uns weitere Reisekilometer, teils mit fragwürdigen Fortbewegungsmitteln.

Bei den günstigsten „Around-The-World“ Tickets muss die Route einigermaßen passen und man muss die Abflugtermine bei der Buchung festlegen. Eine spätere Umbuchung für 4 Personen ist machbar, aber nicht ganz günstig. Bei uns hat alles weitgehend gepasst und so haben wir im Dezember 2014 vier Tickets (London – Dubai – Bangkok – Sydney – Auckland – Santiago – Buenos Aires) gekauft und die Inlandsflüge etwas später dazu gebucht. Ich persönlich glaube, dass man als Familie mit einem vorgefertigten ATW-Ticket günstiger unterwegs ist, insbesondere, weil es sich dann auch lohnt, die Mietwagen frühzeitig zu buchen.

Schulfreistellung

Neben der Finanzierung sind Eltern mit schulpflichtigen Kindern in Deutschland einer ganz besonderen Herausforderung ausgesetzt: der Schulgebäudeanwesenheitspflicht, die auf ein Gesetz von 1938 zurückgeht. Demzufolge müssen schulpflichtige Kinder in der Schule unterrichtet werden. Viele andere europäische Länder erlauben eine Beschulung zu Hause, durch die Eltern oder entsprechendes Lehrpersonal – in Deutschland ist das leider nicht möglich. Um unsere heute 15-jährige Tochter für ein halbes Jahr aus dem Gymnasium abzumelden, benötigten wir eine Freistellung aus besonderen Gründen, die von der Schulleitung ausgestellt, aber von Regierungspräsidien der Bundesländer genehmigt werden muss. Voraussetzung hierfür ist, dass die Schulleitung die Freistellung befürwortet und sich entsprechend für den Schüler/die Schülerin einsetzt.

In unserem Fall haben wir innerhalb von 6 Wochen eine Genehmigung erhalten, denn es war sehr unwahrscheinlich, dass die Versetzung unserer Tochter gefährdet sein wird, selbst wenn sie nach Rückkehr nur noch das 2. Halbjahr der 9. Klasse absolviert. Sicherlich ist es auch von Vorteil, wenn man stichhaltig erklären kann, wie man sein Kind beim Nachholen des Stoffes unterstützen wird. Wir konnten aufgrund unserer Vorbildung die Naturwissenschaften ganz gut abdecken, außerdem gab es von einigen Lehrern das nette Angebot, den Stoff vor zu lernen (z.B. Latein). Angenehm überrascht hat uns die große Unterstützung der Lehrer/Erzieher und immer wieder das bestärkende Feedback, dass diese Reise eine ganz besondere Lernerfahrung für unsere Kinder sein wird. Am Anfang hatten wir uns vor neidischen Bemerkungen gefürchtet, tatsächlich wurde unseren zurückhaltenden Erzählungen über das Vorhaben aber immer mit Begeisterung und Unterstützung begegnet, so dass die Kinder und wir mit der Zeit immer selbstbewusster wurden in der Kommunikation unserer Pläne.

„Neben der Finanzierung sind Eltern mit schulpflichtigen Kindern in Deutschland einer ganz besonderen Herausforderung ausgesetzt: der Schulgebäudeanwesenheitspflicht, die auf ein Gesetz von 1938 zurückgeht. Demzufolge müssen schulpflichtige Kinder in der Schule unterrichtet werden. Viele andere europäische Länder erlauben eine Beschulung zu Hause, durch die Eltern oder entsprechendes Lehrpersonal – in Deutschland ist das leider nicht möglich.““

Im Internet habe ich sehr viel über die Erfahrungen von anderen Reisewilligen mit Kindern gelesen, viele haben leider keine Genehmigung bekommen (denn letztendlich ist die Freistellung immer eine Einzelfallentscheidung und rechtliche Grauzone). In diesem Fall wird den Eltern geraten, ein Elternteil zusammen mit dem Kind in Deutschland abzumelden. Man kann das machen, wir hätten uns aber vor den Folgen für unsere Kinder gefürchtet – denn, wie sollen die Kinder damit vor sich selbst und den Mitschülern umgehen? Einer Freistellung für Grundschulkinder (in unserem Fall eine Rückstellung für den fast 6-jährigen Sohn) wird wesentlich häufiger zugestimmt, insbesondere, weil es für Eltern einfacher ist, den Lernstoff alleine mit den Kindern zu erarbeiten. Trotzdem benötigt man auch hier eine offizielle Genehmigung, die auf der Reise mitzuführen ist. Wir haben die Tickets erst gekauft, nachdem wir für beide Kinder Frei- bzw. Rückstellungen hatten.

Man sollte keine Angst haben, mit der Schulleitung offen über sein Anliegen, die eigene Motivation und mögliche Alternativen zu sprechen. Es kann viele Gründe haben, warum eine Freistellung nicht genehmigt wird. Trotzdem kann man immer noch weiter für sein Ziel, Weltreise mit Kindern, kämpfen, Vorbehalte ausräumen und Möglichkeiten ausloten. Unser Berufsalltag verdichtet sich zunehmend und auch die Belastung für Schüler hat in den letzten Jahren stark zugenommen, warum also sollten selbst schlechtere Schüler nach einem Sabbatical nicht gestärkt und selbstbewusst (ich weiß jetzt, was ich will!) wieder zur Schule gehen, genauso, wie ihre Eltern mit neuem Elan an einen Arbeitsplatz zurückkehren, an dem Auszeiten zur Regeneration längst salonfähig geworden sind?

Kurze Antworten auf schwierige Fragen

Die schönste Unterkunft
Für uns ist es das chilenische Schweizerland Suizake. Die kleine, einfache Holzhütte bei Ninoska und Werner hat uns so sehr in ihren Bann gezogen, dass wir wiederkommen möchten. Sehr wohl haben wir uns auch gefühlt im Zapato Amarillo in Puerto Octay (Chile), und auf Konrads Husky Farm, Aurora Austral, am Villarrica Vulkan (Chile).

Das beste Essen
Ohne lange darüber nachzudenken, fällt unsere Wahl auf das Ha´atafu Beach Resort auf Tongatapu, in Tonga. Der tongaisch-australische Familienbetrieb kocht abends, was morgens frisch aus dem Pazifik gefischt wird. Wir waren nur einige Tage dort, wurden aber jeden Abend mit einem abwechslungsreichen Buffet über alle Maßen verwöhnt.

Die einsamsten Strände
Wer Strände liebt, findet die schönsten Strände unserer Route in Neuseeland und an der nördlichen Ostküste Australiens (in Queensland). Besonders im Daintree NP ganz im Norden sind die Strände traumhaft schön – aber gefährlich wegen der Krokodile.

Die wildesten Berge
Kein Nationalpark hat uns so berührt, wie der chilenische Nationalpark Torres des Paine. Gletscher, schroffe Berge, türkisfarbene Seen und eine unendliche Weite kennzeichnen diesen fantastischen Park.

Die schönste Wanderung
Da können wir uns wirklich nicht entscheiden… Besonders beeindruckt hat uns der 8-stündige Mount Tongariro Alpine Crossing in Neuseeland (Nordinsel), allerdings nur zu empfehlen mit laufstarken Kindern.
Für Familien 100% geeignet, auch als mehrtägige Wanderung, ist der neuseeländische Abel Tasman Track. Es geht durch Berg und Tal vorbei an traumhaften Sandstränden. Die neuseeländische Nationalparkbehörde liefert eine perfekte Infrastruktur und beste Betreuung (einfache Buchung über das Internet).

Die tollste Stadt
Buenos Aires ist eine Stadt voller Gegensätze, interessantem Kunsthandwerk, jeder Menge Kultur und vielseitigen Stadtteilen – für uns konnte Sydney da nicht mithalten.

Die beste Fluggesellschaft
Wieder hat sich für uns bestätigt: Das mit Abstand freundlichste Personal hat die Lufthansa. Am wohlsten haben wir uns trotzdem bei Emirates gefühlt – dort stimmte einfach alles!

Die einprägsamste Erfahrung
Menschen, die nicht viel besitzen und glücklich durch ihr Leben gehen, die unendliche Weite der Pampa und die Begegnung mit den Buckelwalen.

Wir mussten diesen Erfahrungsbericht aus redaktionellen Gründen stark kürzen. Wenn ihr die Kapitel über die Reisefinanzierung und Packliste gern lesen wollt, senden wir euch gern den kompletten Bericht per Email (Anmerkung der Redaktion).
Autorin: Vera Geier