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Einmal im Leben

eine Reise durch Thailand, Australien und Neuseeland

Einmal im Leben nach Australien und Neuseeland – ein Traum! Bei den langen Flügen konnten wir uns diese Ziele innerhalb des üblichen 3 Wochen Urlaubs allerdings auch ohne Kind nicht vorstellen. Durch Zufall hörten wir davon, dass ein Teil der Elternzeit auf einen späteren Zeitpunkt übertragen werden kann. Die Chance nutzte ich sofort und reichte 5 Monate bei meinem Arbeitgeber ein. Mein Mann bekam die Chance, sich in dieser Zeit ein Sabbatical zu nehmen.

Die Vorbereitungen

Nachdem wir die Genehmigungen unserer Arbeitgeber in der Tasche hatten, ging es an die Reiseplanung. Wenn man endlich mal einige Monate Zeit nur zum Reisen zur Verfügung hat, warum nicht die Flugzeiten verkürzen und auf den Zwischenstopps die Zeit genießen und neue Länder kennen lernen? So entschieden wir uns dafür, auf der Reise Richtung Sydney zuerst 3 Wochen in Thailand zu verbringen. Dann 5 Wochen Australien, 6 Wochen Neuseeland und auf der Rückreise nochmal einen längeren Zwischenstopp auf Sri Lanka.

Das war unser grober Zeitplan, den wir nun noch mit Leben füllen mussten. Einfach losfliegen ohne vorher Unterkünfte zu buchen, konnten wir uns nicht vorstellen. Da wir in einigen Ländern zur Saisonzeit unterwegs waren, war es für uns stressfreier bereits vorab zu wissen, wo wir unterkommen. Etwas skeptisch waren wir, was die tropischen Länder angeht: Ist das gesundheitlich ok für unsere Tochter oder setzen wir sie unnötigen Risiken aus? Nach Rücksprache mit unserem äußerst entspannten Kinderarzt haben wir uns für die üblichen Reiseimpfungen beim Tropeninstitut entschieden. Der Arzt wünschte uns eine schöne Reise und hatte keinerlei Bedenken. Einige Bekannte fragten jedoch tatsächlich, ob wir unsere 4-jährige Tochter mit auf die Reise nehmen. Diese Frage erschien uns absurd, denn wir wollten ja die gemeinsame Familienzeit in vollen Zügen genießen.

Der übliche Alltagswahnsinn wurde in den Monaten vor der Reise noch etwas stressiger, da es eigentlich an jedem Tag noch eine Kleinigkeit für die Reise zu erledigen oder zu bedenken gab. Bis wir in Köln im Flieger saßen, konnte ich nicht ganz glauben, dass wirklich alles klappt, wir gesund sind und die Reise endlich losgeht.

Thailand

Wir sitzen nun also alle 3 recht aufgeregt im Flieger, haben uns von Familie und Freunden verabschiedet und freuen uns auf die gemeinsame freie Zeit. Für den Direktflug von Köln nach Phuket sind wir mit dem kompletten Kinder-Entertainment ausgestattet: Stickerbücher, Esspapier, Bastelschere und Malstifte. Wir haben uns ein bisschen auf das Board Entertainment verlassen und wollen ausnahmsweise mal längeres Kinderfernsehen erlauben. Es stellen sich alle Kinderfilme als zu gruselig für unsere Tochter heraus, daher präparieren wir uns für die weiteren Flüge mit reichlich Stickerbüchern. Die Flugzeit vergeht erstaunlich schnell, auch wenn wir vor Aufregung wenig schlafen.

Sehr müde kommen wir in Phuket an und werden von einer sehr freundlichen Taxifahrerin abgeholt. Dort stellt sich gleich heraus, dass wir uns vorab keine Gedanken um einen Kindersitz hätten machen müssen: Es ist nämlich gar kein Anschnallgurt für unsere mitgebrachte Sitzschale vorhanden. Nach einer etwa zweistündigen Fahrt kommen wir in der gebuchten kleinen Bungalowanlage an, stellen das Gepäck ab und springen gleich in den Pool.

Die ersten zwei Tage hat uns der Jetlag voll im Griff. Tagsüber können wir die Augen kaum offen halten und nachts schlafen wir eher schlecht. Aber die Müdigkeit ist schnell überwunden und es soll auch der einzige Jetlag auf unserer Reise bleiben. Unsere Tochter schwärmt noch jetzt – Wochen nach der Rückkehr – von Thailand und sagt, dass es ihr Lieblingsland war. Beim ersten Mal dort am Strand lacht sie sich vor lauter Freude über Wellen und Sand minutenlang kaputt.

Wir nutzen die Zeit, um erst einmal richtig runterzukommen und den Alltag hinter uns zu lassen. Mit den Fahrrädern, die wir umsonst in unserer Bungalowanlage ausleihen können, erkunden wir die nähere Umgebung und radeln jeden Tag zum wunderschönen, weitläufigen Coconut Beach. Die kleinen Strandrestaurants finden wir sehr entspannt: Wo können die Eltern schon ganz in Ruhe essen, während das Kind neben dem Tisch im Sand buddelt? Auch den Heiligabend haben wir in einem Strandrestaurant verbracht – die Füße im Sand, den Sonnenuntergang im Blick.

Elefanten & Feuerwerk

Der Straßenverkehr in Thailand ist allerdings nicht zu unterschätzen. Mit dem Rad sind wir nur auf den kleineren Nebenstraßen unterwegs. An den Feiertagen um Silvester sollte man größere Fahrten vermeiden, da es hier häufig zu Verkehrsunfällen durch Alkohol kommt. Eine weitere Sache, an die wir uns gewöhnen müssen, sind die allgegenwärtigen freilaufenden Hunde, die uns auch abends mal einen Schreck einjagen. Die meisten sind  aber doch ganz liebenswert.

Wir machen einige Ausflüge in die Umgebung und sehen zum Beispiel einen Food Market mit ungewöhnlichen Speisen und beeindruckende buddhistische Tempel inmitten toller Dschungellandschaft. Besonders begeistert sind  wir  von den Elefanten. Wir besuchen ein Elefantenprojekt, bei dem kein Elefantenreiten angeboten wird, sondern ein tierfreundliches Erlebnis mit den imposanten Dickhäutern. Wir können mit den Elefanten in einem großen See baden und sie füttern, ein echtes Highlight.

Unsere letzte Woche in Thailand verbringen wir in einer größeren Hotelanlage, da über Silvester kaum mehr freie Zimmer zu finden waren. Größere Hotels sind eigentlich nicht so unser Ding, was sich auch hier wieder bestätigte: zu laut, zu unpersönlich. Dafür ist die Silvestershow der Kracher. Wir tanzen und feiern gemeinsam ins neue Jahr.

Nach 3 Wochen Erholung sind wir bereit für neue Abenteuer. Nachdem wir die etwas anstrengenden Zollformalitäten am Flughafen in Phuket hinter uns gebracht haben, geht es in einem 11-stündigen Nachtflug weiter nach Sydney. Unsere Tochter verschläft knappe 8 Stunden der Reise. Nachdem wir nun wissen, dass wir die Langstreckenflüge mit Kind gut bewältigen können, können auch wir uns etwas entspannen.

Australien

In Sydney angekommen, glauben wir zuerst gar nicht so recht, dass wir nun wirklich am anderen Ende der Welt angekommen sind. Zu unserem Glück holt uns der Besitzer unseres B&B in Sydney am Flughafen ab und wir müssen uns nicht um die Anreise dorthin kümmern. Wir ruhen uns kurz in unserem Zimmer aus und brauchen dann alle etwas Bewegung. Unsere Tochter hat in Thailand die Spielplätze etwas vermisst, aber hier werden wir gleich fündig und verbringen einen entspannten Nachmittag dort.  Unsere Unterkunft haben wir vorher per Internet gebucht und waren positiv überrascht wie ähnlich Sydneys  Stadtteil Kensington doch unserem Heimatstadtteil in Hamburg ist – wir fühlen uns gleich ein bisschen wie zuhause.

Wir erkunden Sydney per Bus und S-Bahn. Für die Städtetrips haben wir den Buggy mitgenommen, für den unsere Tochter eigentlich schon ein kleines bisschen zu groß ist. Aber so können wir ohne Probleme auch längere Strecken beim Sightseeing zurücklegen oder sie kann mal ein kurzes Nickerchen machen. Wir finden in Sydney unsere gut funktionierende Abmachung für den Rest der Reise: 2 Unternehmungen für Kinder, eine für Erwachsene.

Da wir zur Schulferienzeit dort sind, gibt es ein unerwartet abwechslungsreiches Angebot für Kinder. Sogar die Oper von Sydney hat ein großes Kinderprogramm mit Musik und Theater. Und an einem Nachmittag finden wir mitten im Trubel der Stadt auch den schönen und versteckten chinesischen Garten. Dort gibt es für Kinder sogar die Möglichkeit, sich mit einem traditionellen chinesischen Kostüm zu verkleiden. Wir finden also wirklich immer Beschäftigungen, die uns allen Spaß machen. Und das kann bei sehr großer Hitze dann auch mal einfach der Springbrunnen auf einem schattigen Platz sein. Was bei den ansonsten hohen Preisen in Australienüberrascht: Kinder haben fast überall freien Eintritt.

Krabbeltiere & Kakadus

Gleich am ersten Tag haben wir dann auch schon eine Begegnung der unangenehmeren Art im Badezimmer: eine handtellergroße Huntsman Spinne läuft über den Fuß meines Mannes. Die Gastgeberin gibt gleich Entwarnung: nicht giftig. Sie versichert uns auch, dass sie als Australierin in ihrem Leben noch keinen Kontakt mit giftigen Tieren hatte. Trotzdem bleiben uns die giftigen Krabbeltiere während der Reise im Kopf und wir sind lieber etwas vorsichtig. Zum Glück sind die Huntsman Spinnen aber die einzigen großen Insekten, die uns regelmäßig über den Weg laufen.

Nach 5 Tagen in dieser spannenden Stadt holen wir dann unseren Mietwagen am Flughafen ab. Etwas aufgeregt sind wir wegen des Linksverkehrs – bisher haben wir uns beide auch bei Reisen nach England immer um das Fahren auf der linken Seite gedrückt. Aber es klappt alles ohne Probleme und auch der bestellte Kindersitz ist in einem guten Zustand. Wir planen unsere Fahrten meist so, dass unsere Tochter über die Mittagzeit schlafen kann. So wird es für alle Mitfahrer nicht ganz so anstrengend.

Unser nächster Stopp sind die Blue Mountains. Das gebuchte Ferienhaus ist sehr ruhig gelegen und hat einen schönen Garten mit Trampolin. Hier begegnen uns das erste Mal die exotischen Tiere Australiens ganz nah: Jeden Morgen landen etwa 30 Kakadus auf unserer Terrasse, das ist wirklich ein Spektakel. Die wunderschöne Natur in den Blue Mountains genießen wir sehr und  machen auch einige kleinere Wanderungen. Da unsere Tochter aber nicht die größte Wanderin ist, bleibt es bei kurzen Touren.

Einige Tage später geht es weiter in die Landeshauptstadt Canberra. Das einzig Interessante in dieser Stadt sind für uns allerdings die Regierungsgebäude. Wir sind daher froh, wieder in die Natur aufzubrechen, nächster Stopp Snowy Mountains. Auf dem Weg in die Berge sehen wir sie dann das erste Mal: Kängurus, überall und in großen Herden. Wir sind total begeistert, denn bisher sind sie uns nur als Roadkill neben den Straßen begegnet. In den Snowy Mountains angekommen, ist es angenehm kühl. Leider bemerken wir erst hier, dass wir unsere Jacken im B&B in Sydney vergessen haben. Für unsere Bergtouren hätten wir sie sehr gut gebrauchen können. Netterweise schicken uns die B&B Besitzer die Jacken nach Melbourne, so dass wie sie für die Weitereise wiederhaben.

Ein Highlight: Mallacoota

Unser nächster Stopp führt uns in ein schönes Gästehaus in Mallacoota. Diese kleine Stadt ist mein persönliches Australien Highlight. Wunderbar ruhig am Meer gelegen und mit vielen Wanderwegen im Croajingolong Nationalpark umgeben. Mit einem Glas Wein dort auf der Terrasse zu sitzen und einen Schwarm Flughunde zu beobachten, ist wirklich der Wahnsinn. Von hier aus fahren wir zu den Gippsland Lakes, um ein weiteres Wappentier des Landes zu sehen: Auf Raymond Island soll man eine gute Chance haben Koalas zu treffen. Mit einer kleinen Fähre setzen wir auf die Insel über und machen uns erst einmal keine allzu großen Hoffnungen, die scheuen Tiere zu sehen. Doch nach einem kurzen Fußweg ins Inselinnere sehen wir den ersten Koala oben im Baum sitzen. Nun wissen wir, wo die Tiere am besten zu sehen sind und entdecken noch viele weitere in den umliegenden Bäumen.

Zurück in unserem Ferienhaus treffen wir einige fast zu zahme Kängurus vor der Tür. Sehr schnell kommen sie auf uns zugehüpft und wollen gefüttert werden. Das ist unserer Tochter aber dann doch etwas zu viel an Nähe.

Weiter geht es für uns dann in den Nationalpark Wilsons Promontory, wo wir auch den Australia Day verbringen. Wir schauen uns die Feierlichkeiten in dem kleinen Ort Yanakie an. Unsere Tochter macht natürlich beim Malwettbewerb mit und so landen wir gleich in der Lokalzeitung. Der Nationalpark mit seinen Küsten und Bergen gefällt uns sehr gut. Je näher wir allerdings der Great Ocean Road kommen, desto mehr Touristen begegnen wir. Auf der Strecke nach Philip Island muss ich mir dann wohl den australischen Strafzettel eingehandelt haben: 190 Dollar für 8 km/h Geschwindigkeitsübertretung. Daher würde ich jedem sehr empfehlen sich ganz genau an die Tempolimits zu halten. Auf Philip Island wird es dann sehr touristisch, aber auch hier finden wir zum Beispiel mit dem Samstagsmarkt einige Nischen.

Great Ocean Road & Melbourne

Vorbei an Melbourne fahren wir auf die wunderschöne Great Ocean Road. Die Aussichten auf dieser Strecke sind wirklich nicht zu überbieten. Leider verträgt unsere Tochter kurvige Straßen nicht sehr gut und ein großer Teil der Strecke ist mit Mietwagen verstopft, die während der Fahrt Fotos machen und sehr langsam fahren. Wir versuchen geduldig zu bleiben und werden dann mit einem Aufenthalt in einer wunderschönen Lodge am Cape Otway belohnt. Hier gibt es einige Projekte zur Erhaltung selten gewordener Tierarten wie Tiger Quolls oder Sugar Gliders. Auf Touren über das Gelände können wir Tiere entdecken, von deren Existenz wir bisher noch nicht einmal etwas ahnten. Am Leuchtturm in Cape Otway dürfen wir von einem Aborigine hören, wie die Ureinwohner früher im Einklang mit der Natur und den Tieren lebten. Er zeigt uns, welche Pflanzen im Busch essbar sind und welch negativen Einfluss mittlerweile die Massentierhaltung auf das Land hat.

Unser letzter Stopp in Australien ist Melbourne. Wir genießen diese sehr europäische Stadt, schaffen aber wegen der großen Hitze nur ein kleines Sightseeing Programm. Der vierstündige Flug nach Auckland kommt uns nun wirklich wie ein Katzensprung vor. Nach all der schönen Natur erscheint uns Auckland sehr trist und austauschbar. Was aber unschlagbar bleibt, ist die Freundlichkeit der Kiwis: Etwas abgekämpft stehen wir an der Bushaltestelle und suchen unser Hotel. Sofort hilft uns ein Mann und schleppt sogar die Koffer mit uns ins Hotel.

Neuseeland

Zwei Tage später holen wir den gebuchten Camper ab und sind wieder etwas aufgeregt, denn wir beide sind vorher noch nie selbst mit einem Camper gefahren. Nachdem alles geprüft und eingeladen ist, geht es los. Die ersten Kilometer sind sehr laut und es rasselt und klappert überall. Ein kurzer Stopp an der Raststelle zeigt, dass die Teller, Tassen und Türen der Grund für die Lautstärke sind. Wir stopfen also zwischen alle klappernden Teile Geschirrtücher und Socken und es kann zumindest etwas ruhiger in Richtung Muriwai Beach weitergehen. Hier dürfen wir bei einer alten Freundin, die vor 10 Jahren nach Neuseeland ausgewandert ist, die ersten Nächte in der Einfahrt verbringen. Der Weg zum Haus ist sehr steil und kostet uns einige Nerven, aber schließlich schaffen wir es doch ohne Probleme.

Das Wiedersehen nach so einer langen Zeit ist schön und wir verbringen eine entspannte Zeit mit der mittlerweile 5-köpfigen Familie. Wir beschließen dann auch, einige Tage Campingurlaub gemeinsam zu verbringen. Wir fahren also gemeinsam Richtung Norden nach Whananaki auf einen sehr einfachen Campingplatz mit Plumpsklos und kalten Duschen. Die Weite und die Lage zwischen zwei wunderschönen Stränden sind unübertreffbar. Hier verbringen wir die Tage gemeinsam am Strand mit Schwimmen, Surfen und Grillen. Unsere Tochter genießt es sehr, dass die drei Kinder der Familie dabei sind. Abends können wir die absolute Ruhe und den spektakulären Sternenhimmel bewundern.

Planänderung

Den Plan, weiter nach Cape Reinga ganz an der Nordspitze zu fahren, verwerfen wir, da es nun in Strömen regnet und wohl auch die nächsten Tage nicht aufhört. Die lange Fahrt dorthin würde sich nur bei guter Sicht lohnen, daher fahren wir erst mal zum Ninety Mile Beach und verbringen den Regentag im großen Aufenthaltsraum des Campingplatzes. Gut, dass wir mit dem Camper so flexibel sind, auch wenn uns das „Riesenschiff“ manchmal etwas nervt.

Am nächsten Tag klart es auf und wir gehen an den Ninety Mile Beach. Die Sonne scheint und es sind kaum Menschen an dem kilometerlangen Strand. Ich versuche mich etwas im Boogieboarden, was großen Spaß macht. Unsere Tochter freut sich, dass man hier auch Pony reiten kann und macht eine kleine Tour. Nach einer weiteren Übernachtung geht es weiter Richtung Bayley Beach. Die Straßen in Neuseeland sind für uns ungewohnt rau und eng. Die Strecken mit dem Camper teilen wir uns, da volle Konzentration gefordert ist. Unsere Tochter schläft meistens während der Fahrt. Ansonsten beschwert sie sich natürlich, dass es langweilig ist.

Wir halten auf dem Weg an einem Kauri Wald an. Die immergrünen Baumriesen sind beeindruckend, wie überhaupt die ganze Landschaft Neuseelands. An jeder schönen Ecke denken wir, dass es gar nicht schöner werden kann. Aber wir werden immer wieder überrascht. Beruhigend ist auch, dass wir uns hier keine Gedanken um giftige Tiere machen müssen.

Einige Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel Wasserfälle, lassen sich mit dem Camper nicht erreichen. Winzige Schotterstraßen bringen uns zum Verzweifeln und Umkehren. Insgesamt sind wir deutlich länger im hohen Norden Neuseelands unterwegs als geplant, aber es ist einfach zu schön dort, um gleich weiterzufahren. Wieder vorbei an Auckland fahren wir Richtung Coromandel. Zwischenstopps zum Einkaufen und Kaffee trinken zeigen uns, dass Städte nicht so die Stärke der Kiwis sind. Umso mehr die abwechslungsreiche Natur. Wir verbringen auf Empfehlung von anderen Reisenden eine Nacht auf einem abgelegenen Campingplatz direkt am Fluss. Es ist nur das Plätschern des Wassers und das Muhen der Kühe zu hören.

Auf der Coromandel Halbinsel gibt es viele Highlights für Kinder: Tierparks, Miniatureisenbahn und Wasserparks – es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Unsere Tochter freut sich am meisten über Eis und die Trampoline auf den Campingplätzen. Einen spannenden Tag verbringen wir am Hot Water Beach. Hier kann man bei Ebbe mit einem ausgeliehen Spaten ein Loch in den Sand buddeln und es sprudelt heißes Wasser heraus. Nach einigem Suchen finden wir die richtige Stelle und genießen das warme Wasser mit Blick auf das tosende Meer.

Maoris, heiße Quellen und Wasserfälle

Auf der Fahrt mit einem Glasbodenboot wird meiner Tochter und mir sehr schlecht. Mein Mann kann aber ohne Schwierigkeiten die zahlreichen Fische beobachten. Unser nächster Halt ist Rotorua. Wir übernachten auf einem sehr alten Campingplatz, der uns nicht sonderlich gefällt. Dafür ist die Stadt mit ihren brodelnden Quellen, Geysiren und Matschseen absolut spannend. Überall dampft es und riecht nach Schwefel. Wir besuchen Whakarewarewa, ein Dorf in dem auch heute noch Maori wohnen und die alte Kultur aufrecht erhalten. Wir sehen Maori-Tänze und hören viel über ihre Geschichte. Und der in den Thermalquellen gekochte Mais schmeckt unserer Tochter besonders gut.

Nun geht es für uns weiter ins Landesinnere. Am Lake Taupo wandern wir durch Urwälder und zu Wasserfällen und baden abends in heißen Quellen. Die Natur ähnelt teilweise fast einer Mondlandschaft und wir freuen uns schon, die Schauplätze von Herr der Ringe zu sehen. Ein absolutes Muss für Reisende mit Kindern ist übrigens eine Stirnlampe. So können wir viele Spaziergänge oder Abendessen interessanter gestalten.

Im Tongariro Nationalpark wandern wir ein kleines Stück auf den bekannten „Schicksalsberg“, den Mount Doom. Unsere Tochter ist etwas schlecht gelaunt und ich trage sie ein großes Stück, aber als Herr der Ringe Fans können wir uns diese Kulisse einfach nicht entgehen lassen. Als Programmpunkt gibt es für sie dann zur Entschädigung einen Campingplatz mit vielen Tieren. So verbringen wir alle einen schönen Tag.

Einer unserer letzten Stopps ist Matamata. Die schöne grüne Hügellandschaft ist das Filmset für den Hobbit. Wir schauen uns die Filmkulisse an und finden die kleinen Höhlen alle sehr spannend. Leider können wir nicht auf dem nahegelegenen Campingplatz übernachten, da der Besitzer keine Kinder erlaubt. Nach einer kurzen Weiterfahrt finden wir einen Campingplatz, auf dem wir willkommen sind.

Ruhige Tage am Strand

So langsam haben wir genug gesehen und beschließen, die restlichen Tage einfach auf einem schönen Campingplatz am Meer zu verbringen. In Bowentown haben wir den perfekten Platz dafür gefunden und genießen noch einige ruhige Tage am Strand. Wir haben bei Weitem nicht alles gesehen, was wir geplant haben. Dafür haben wir die Nordinsel und die atemberaubende Landschaft in vollen Zügen genossen.

Zum Abschied besuchen wir noch einmal unsere Freunde in Muriwai Beach und tauchen in den neuseeländischen Alltag ein. In Auckland geben wir unseren Camper ab und freuen uns, endlich mal wieder in einem B&B mit großem und bequemem Bett zu schlafen. Dazu gibt es reichlich Gelegenheit, denn es regnet wie aus Eimern. Und so fällt uns dann auch der Abschied von den Kiwis etwas leichter. Wir steigen in den Flieger Richtung Singapur. Eigentlich sollte es mit einem Zwischenstopp weiter nach Sri Lanka gehen. Da wir aber bisher sehr gut mit der Flugzeit von längstens 12 Stunden klargekommen sind, entschließen wir uns, drei Tage in Singapur zu bleiben.

Ein dermaßen organisiertes asiatisches Land haben wir bisher noch nicht gesehen. Es ist tropisch warm und wir sehen uns die futuristischen Gebäude an. Vor unserer Ankunft haben wir uns kaum mit Singapur beschäftigt, sind aber nun froh, diese ganz andere Welt erleben zu können. Auch hier haben wir das Glück, gleich auf ein Kinderfest im botanischen Garten zu stoßen.

Sri Lanka

Unser nächster Flug geht nach Colombo, Sri Lanka. Wir fliegen über Nacht und werden von einem Taxifahrer abgeholt, der uns zu unserer Unterkunft in der Nähe von Fort Galle bringt. Wir treffen dort die Yogagruppe, mit der ich hier ein Retreat verbringe. Einige Teilnehmer und die Yogalehrer kennen wir bereits. Unsere Tochter freut sich über bekannte Gesichter und viel Aufmerksamkeit. Wegen der großen Hitze wechseln wir uns mit den Ausflügen ab. Unsere Tochter schwimmt im Pool und sieht uns gespannt bei den Yogastunden zu. TukTuk fahren ist für sie fast wie Karussell fahren. Die Köche im Haus bereiten ihr gerne ihr Lieblingsessen zu: Kartoffeln. Der Aufenthalt ist der perfekte Abschluss für unsere Reise. Am letzten Tag gibt es für alle noch ein großes Abschiedsessen im Garten und wir werden etwas wehmütig. So schnell ist die schöne Reisezeit mit all den Erlebnissen vorbeigegangen.

Am nächste Tag erwartet mich noch ein tränenreicher Abschied: Ich fliege weiter nach Indien, um dort meine Yogalehrerausbildung zu beenden. Mein Mann und meine Tochter fliegen zurück nach Deutschland und werden einige Zeit bei der Familie verbringen. Der Abschied fällt uns allen nach der intensiven Zeit zusammen sehr schwer.

Fazit

Es war eine der besten Entscheidungen, die wir je im Leben getroffen haben. Und das Fernweh bleibt: Die nächste Reise ist zumindest in Gedanken schon geplant.